Männlichkeit

Uns Männer geht es durchschnittlich nicht gut – man merkt es an um sich greifender Beziehungsmüdigkeit, an regelrechten Lähmungserscheinungen zuhause, an unterdurchschnittlich gelebter Vater- und Erziehungsbereitschaft in der Gesellschaft, an schwindender Aktions- und Abenteuerlust im Gemeindeleben – man(n) ist müde und man(n) zieht sich zurück.. und man(n) funktioniert weiter … aber die angekündigte Krise der Männlichkeit ist längst da: Immer mehr Männer zweifeln daran ob sie wirklich ein guter Mann sind und kommen irgendwann zum Stehen!  Die frohe Botschaft des Evangeliums, dass wir geliebte Söhne eines himmlischen Vaters sind, können wir höchstens nur noch im Sonntags-Ohr wahrnehmen  … ins Herz fällt´s uns nicht von allein bei unserer Vater-Sohngeschichte. Wie wenig Selbstwert hat der Vater uns doch gegeben und wie wenig können wir uns selbst geben  – das Sendungsbewusstsein der Jünger von damals haben wir längst nicht mehr. Die Mannhaftigkeit im Glauben ist verschwunden – kein Wunder – man redet ja auch nirgends darüber!

 Da ich selbst aus einer „midelife-crisis“ „auferstehe“, verstehe ich, woran „normale Männer“ heute leiden. Männer sind nicht etwa irgendwelche „Psychofälle“  – schwächelnde Männer sind heute schlichtweg das Produkt unserer feminisierten Gesellschaft, einfach darum, weil es heute schwer geworden ist, sich einen Raum für die eigene Männlichkeitsentwicklung  zu bewahren oder falls verloren gegangen – sich neu zu erschaffen. Geistliches Wachstum im Glauben aber hängt mit seelischem Wachstum zusammen, also mit Reifung im tiefsten Inneren und da sind wir einfach eben ganz von Gott männlich erschaffen. Wir haben ein Männerherz.

 Wie und wo sollen wir Männer denn bitteschön in unserer Welt zur vollen „Mannesreife“ (Epheser 4,13 – Schlachterübersetzung) gelangen? Ist es nicht so, dass wir bildlich gesprochen „Maurer“ ausbilden und dann erwarten dass sie elektronische Geräte reparíeren sollen? Das Thema Elektrik wird aber einfach nicht unterrichtet, weil sich keiner auskennt! Firmen, Gemeinden, Frauen – alle wollen tolle Männer haben und sollen die einfach so vom Himmel fallen? Männlichkeit muss von Gott und anderen Männern übertragen werden. Bevatern ist ein wesentlicher Teil unserer Männerolle – das haben wir wohl wieder zur Kenntnis zu nehmen.

 Wie soll ein Mann in seiner Männlichkeit reifen, wenn man nicht über Männlichkeit redet? Die Welt wartet auf das Offenbarwerden der „Söhne Gottes“ (Römer 8,19) – glauben wir denn wirklich, dass alles von alleine im „verborgenen Kämmerlein“ sozusagen geschehen muss? Hat nicht Gott „andere“ zum Dienst eingesetzt, dass der Leib heranreifen kann (Epheser 4,11)? Männer brauchen Männer um zum Mann zu werden. Allein der Glaube an etwas reicht dazu nicht aus – manchmal wird ein Prozess auf den man sich in einem Seminar endlich mal einlässt einfach notwendig. Ein Mann muss seine Geschichte kennen, er muss wissen welche Wege Gott für ihn hat und welche nicht, muss seine Kräfte probieren um Selbstwert zu entwickeln  … und er braucht Muster wie man(n) das macht! Er muss „verso(ö)hnt“ leben, um ein lebenswertes Leben zu haben (5.Mose 5,16). Jesus selbst war letztendlich Männertrainer und seine Männergruppe veränderte die Welt.

 Kurzum – das Thema Männlichkeit muss in Gemeinden einen Platz haben, wenn die Kirche nicht weiter ihre Männer verlieren will (BUCHEMPFEHLUNG: „Warum Männer nicht zum Gottesdienst gehen“ David Murrow, Cap-Verlag 2011)

Hier kommt eine schöne, sinnvolle Aufgabe auf die Gemeinde Jesu zu:

Männer verstehen, Männerherzen füllen, dem Männerleben einen Ewigkeitswert geben“.……  und dabei wollen wir mit Männern, die Männerarbeit beginnen wollen unter die Arme greifen. 20 Jahre Erfahrung mit Männertrainingsgruppen, Männerhandbüchern, Männerhauskreisen, Männeraktionen, Väterarbeit ist ja kein Pappenstil.

 Was wir leisten können:

–          Unterstützung beim Gründen einer Männergruppe zB.: durch Gemeinde-Männerabende

–           „Männerpredigt“ in der Gemeinde (die Jungs und die Frauen lieben das Männerthema mehr als wir Männer selbst! Welche Frau will nicht etwa „einen tollen Mann“ zum Mann haben  .. und ihn dabei unterstützen!?)

–          Persönliches Treffen mit Männern, die Männerarbeit in der Gemeinde beginnen möchten

 Unsere Welt tickt noch sehr traditionell – auch wenn alle reden, es wäre anders: Wer bestimmt was sonntags gemacht wird – häufig der Mann. Wer wohin das Geld fließt – häufig der Mann. Männerarme Gemeinden sind sterbende Gemeinden und haben kein Geld.Männerarbeit in einer Gemeinde mag die schwierigste Abteilung sein – aber langfristig ist sie die segensreichste!

 Die Zeit ist reif.

–          Gesunde C-Männer bringen ihren Beitrag zu einer glücklichen Ehe

–          Gesunde C-Männer bekommen Vaterschaft für die Kinder hin

–          Gesunde C-Männer haben Freunde

–          Gesunde C-Männer können im Job viel leisten, aber sie können sich auch abgrenzen!

–          Gesunde C-Männer leisten ihren Beitrag zu einer gesunden Gemeinde

 Man geht weltgeschichtlich davon aus, dass erst die 3. Generation nach einem Krieg, das Vaterloch schließt, das ein Krieg in Männerherzen gerissen hat. Erst in der Vierten ist ein entspanntes Männerleben wieder möglich bei ausreichender Bevaterung und sinnvoller Verbrüderung. Da ist noch einiges zu leisten im deutschen Vaterlande! Man getraut sich ja kaum das noch das auszusprechen.Kürzlich stand ich am Familiengrab der Röschs. In der Bibel heißt es immer so nett„ .. er starb und legte sich zu seinen Vätern“ (zB.: 1.Könige 2,20). Ich spüre, ich will da als „Röschen-Sohn“ etwas Gut machen,  was meinen Vätern „aus dem Ruder gelaufen ist“! Vielleicht hätte ich´s auch nicht besser hinbekommen wie sie … aber wenn ich da liege will ich keine alten Rechnungen mehr offen haben .. ich will ein versöhnter Sohn sein ohne rumzustreiten, Du auch?

 Sei gesegnet in deinem Mann- und Christsein                                                                                  Hans-Peter Rösch

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