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Kurz vor der Sexsucht - über die "Umverkabelung" im Denken des Mannes

 

Viele Männern wurde nie gelehrt mit ihrer Sexualiät männlich umzugehen. Da waren keine älteren Männer, die einem sagten, wie sowas funktioniert - in der Schule wurde das Mechanische daran erklärt, was eh schon jeder wusst- das Seelische im Mann hat man einfach weggelassen.

Ich lernte als Teenager recht früh, dass Sex innere Spannungen abbaut. Wenn in mir heute Gefühle auftauchen wie „ich bin fix und fertig, ich bin leer und ausgebrannt, ich bin hab nicht alles hinbekommen, dann sehne ich mich nach Sex, einfach darum, um diese Gefühle loszusein. Das hab ich damals dummerweise gelernt. Manche Gefühle kleben nämlich an einem und gehen erst weg, wenn unsere Seele wieder satt ist. Ich weiß, dass es anderen auch noch so geht wie mir. Männer, die viel leisten (und dazu zähle ich mich schon) brauchen dazu auch viel Testosteron und hören sie auf zu leisten, dann ist da noch genug Energie da um potentiell gleich „mehrere Frauen zu beglücken“. Ich denke dann auch, „ich hab´ alles gegeben“ und nun will ich aber eine Belohnung haben: Sex. So habe ich mich selbst seit Jahrzehnten in meinem Denken geprägt, dass ich fast generell, wenn´s mir schlecht, ich mir meine Frau herbeiwünsche – manchmal klappt das dann, manchmal blitze ich ab, weil es nicht passt und manchmal fehlt einfach die Gelegenheit. Viele Männer - ich bin da auch nicht anders - nutzen dann einfach zum inneren Spannungsabbau dann immer mal wieder Selbstbefriedigung. Bei vielen anderen Männern sind das dann Pornos, Playboyhefte … was brauch ´s ich erzählen, eben die ganze Sexkiste, die ein Mann sich so in einem „heiligen“ Versteck im Haus aufbaut – bei manchen ist sie tatsächlich materiell und dann hat der Mann sich ´s ´ne Menge Geld kosten lassen, sei ´s die bestimmte Internetseite oder PayTV, das er sich ´reinzieht oder vielleicht ist ´s einfach das äußerst kreative hocherotisierte Gedankenvolumen, das man sich über Jahre so in seinem Verstand angesammelt hat und nun unendlich oft neu in ein Szenario innerlich aufstellt. Das soll einem Befriedung des Seelenwunsches nach Ruhe, der ersehnten Entspannung und der „wohlverdienten“ Belohnung verschaffen. Und zugegeben: das funktioniert auch eine Jahre zufriedenstellend gut. Nun aber hatte ich da ein Problem: Ich weiß nicht ob die Probleme wirklich größer waren als früher, wo ich das noch handeln konnte, vielleicht war ich auch schwächer und habe immer schneller nachgegeben und jedenfalls wurden die Abstände, wo ich es brauchte immer kürzer. Manchmal waren Wochen dazwichen, manchmal aber auch täglich...und da ist es dann Sucht. Ich wußte, jetzt muss ich was tun, sonst wirds brenzlig. In Foren im Internet wurde einmal diskutiert wie viel Selbstbefriedigung am Tag noch „normal“ wäre – man einigte sich auf 8 mal täglich wären noch normal, ab dann wär´ man doch etwas gefährdet! Männer brauchen eben bis zu 20 Jahre bevor sie Sucht zugeben und da ist aber dann schon längst die Ehe kaputt, am Arbeitsplatz hat man keine Kraft mehr und Freunde sind fernab, Nun lernte ich in der Männerbewegung – es ist manchmal gut die Spannung auszuhalten. Das forme den Charakter, wurde gesagt. Tatsächlich muss man nämlich tagtäglich begrenzt spannungsbereit sein. Sei ´s mit den Kindern bei den Hausis, der Ehefrau in einer Diskussion um Recht und Wahrheit oder die Meinungsverschiedenheit mit dem Chef. Knickt man überall zu schnell ein, verliert man wirklich jeden Selbstwert vor sich selber. Zuviel Nachgeben verdirbt den Charakter, irgendwann hat man keine Ecken und Kanten mehr, andere akzeptieren einem nicht mehr, merken, sie können alles mit einem machen, der sagt ja nie nein, kriegt seinen „Arsch nicht hoch“, hat jede Männlichkeit verloren. Das kann man doch nihct einfach weiterlaufen lassen?
Sexhungrige und Sexverliebte würden zum Schluss alles opfern für ´ne Bettszene und haben doch den Mut nicht mehr dazu, so was zu inszinieren. Außerhalb eines Bordelles ist das ja auch gar nicht so leicht ´ne Frau flachzulegen und beim Anbaggern bei der Eigenen hat man schrecklich Angst vor Zurückweisung. Trotzdem verschiebt sich bei sexhungrigen Männer ihr komplettes Wertesystem – sie denken alle 6 Minuten an Sex, sie können kaum noch was tun ohne zu erotisieren, sie müssen jeder Frau nachpfeifen und sehen sonst nichts mehr: Die schöne Natur nehmen sie nicht mehr wahr, Abenteueraktionen fallen flach, wenn keine Mädels dabei sind, schon gar nicht, manche werden durch die häufige Selbstbefriedigung und die Suche nach dem besseren Kick petofil, homosexuell oder haben derart verbogene erotische Gedanken, die keine Frau mehr mitmachen würde – freiwillig schon gar nicht also … und da ist der Schritt zur Vergewaltigung schon im Herzen geboren. Da wollte ich nicht hinkommen – nicht mal in die Nähe davon und so beschloss ich wieder zu bremsen.
Das Bremsen aber stürzt mich aber auch heute manchmal noch immer mal wieder in ein Tiefes seelisches Loch. Das Innere schreit nach sofortiger Befriedigung und will Beachtung dieses Wunsches um „Himmels willen, sag, ja nicht nein, so existenziell ist einem der Sex schon geworden. Mittlerweile hab´ich da einiges gebacken bekommen und leide nur noch selten und das wünsche ich dir auch.
Mittlerweile weiß ich, warum man das innere Seelenleben auch das „Innere Kind“ nennt – was da für kindische Gedanken kommen ist doch fast schon krank: Man ist traurig wie ein Schlosshund und meint gleich zu sterben, kann sich über nichts mehr freuen, das Innere Kind ist beleidigt und bockig wie ein „trutzig Ding (Luther!), wenn´s nichts gleich was gibt, die anderen sind schuld, die bösen Frauen alle allgemein, die eigene ganz speziell und zum Schluss auch noch Gott und man schreit: Nimm mir meine Triebe weg, sonst will ich kein Man mehr sein.
Was ist das Problem. Warum kann man nicht einfach an was anderes Denken? Warum dieser wahnsinnige Kurzschluss im Hirn, warum meint man so infantil, sein Herz nur noch so satt zu kriegen. Meistens ist es ja über nicht Sex was das Herz braucht. Es will Annahme, Nähe, Intimität … aber doch keine mechanische Abfertigung durch eine Ejakulation. Es will Ruhe, Entspannung und Abwechselung … aber doch nicht einen Grill in die Hose um in 2 Minuten abgewimmelt zu sein, es will Sinn, Hoffnung, Vision … aber doch nicht Sex, den kann man nicht festhalten, er ist vorbei und dann … noch mal Sex… und dann nochmal Sex .. wie lang dann eigentlich? Nun wirbt Richard Rohr, der amerikanische „Männerpapst“ für seinen Franziskanerorden gerade in Pornoheften: „Wenn Du das alles mal satt hast, und das ist so, überlegt dir was anderes bevor die Realtität dich einholt und die Polizei dich hinter Gitter bringt, wo du nun wirklich Ruhe hast oder bevor dich die ganze Spannung (von der Du dich ja eigentlich mit genau dem gleichen was dir Spannungen bereitet befreien willst) in der „Klappsmühle“ bringt. Wenn du noch ein bisschen normal denken kannst, dann nimm Verstand an und überleg mal ernsthaft ob das, was du so toll findest wirklich so toll ist wie du immer denkst. Vielleicht geht wirklich alles ohne. Jesus konnte das, Mönche wollten das, Samuraikrieger und andere Kämpfer (bis hin zu Fußballspielern) hatten Sexverbot vor jeder Schlacht und gab es nicht auch Zeit, wo du ohne Sex so richtig glücklich warst. Eine Wanderung in den Bergen, zum ersten mal Autofahren, leidenschaftlich was basteln, wo hat dein Herz genauso oder besser geschwungen als da beim Sex?
David in der Bibel hatte wohl ähnlich frustige Erfahrungen. Er hatte gleich 5 Frauen, Salomo hatte 600 Haupt- und 300 Nebenfrauen und gerade darum leidete er vermutlich mehr wie ich an Sexproblemen: 2.Sam 1,26: „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonatan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.“ Es kommt also auf die Häufigkeit gar nicht an – es ist dieser „Nebenkanal“ des Herzens, der diese krankhafte Sexfokussierung gebiert. Man muss das Herz wieder genußfähig bekommen auf anderen Gebieten. Frauen merken dies, wenn man sie „braucht“, sie fühlen sich gebraucht wie eine Prostituierte, das ist ja keine Liebe, sondern Abreaktion anderer Gefühle, die damit gar nichts zu tun haben … und sie verweigern sich. Zurecht? Das weiß ich nicht, grausam jedenfalls ist es für uns Männer. Was meinst Du? Im Forum kann man darüber diskutieren, im Handbuch kann man mal die Seiten dazu lesen. Am besten man macht mal ein Männertraining, da wird die Seele schon mal satter und ... der Sexwunsch schindet garantiert schon mal ein gewisses Stück!