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Herzenserforschung - auch für Männer - nach dem kontemplativen Gebet nach der „Seelenburg“ nach Theresa von Avila
Theresa von Avilas meisterhaftes Schriftwerk “Die Seelenburg“ kann man nur vom Herzen her begreifen. Wenn man den Inhalt nur mechanisch verstehen will, bleibt das Gefühl und der Verstand vor verschlossener Türe. Nur wer lieben will - kann eintreten.

„Die Seelenburg“ ist eine klösterliche Gebetsanweisung für ihre Schülerinnen und Schüler. Sie gründete 15 Frauenklöster und 2 Männerklöster und lehrte dort zu beten zunächst mit den „7 Stufen des Gebetes“. Später reformierte sie diese „in eine feste Form gepresste Regel“ mit den Worten: „Der Verstand irrt umher wie ein lästiger Narr und nippt an allem ein bisschen.“ Sie weicht die Gebetsregel etwas auf. Man muss aber gütlich mit sich umgehen, damit man tief in seinem Herzen Jesus begegnet, ja man soll einen bräutlichen Umgang mit seiner Seele beim Beten pflegen, ihr keine Gewalt antun.
Zunächst liegt der mittelalterlichen Mystikerin es am Herzen mit wem man seine Seelenburg ergründet. Man gebrauche doch einen Kosenamen für Gott. Empfiehlt sie. Sie selbst spricht von ihrer liebenswerten Majestät „Su Majestat“ und geht dabei oft recht forsch. manchmal recht vorwurfsvoll und doch liebevoll mit diesem Seelenbewohner Jesus um.
Diesen Stil des Umganges mit Autoritäten hat sie aus ihrer Vaterbeziehung abgeleitet.

Sie kommt als Mädchen nach 9 Brüdern und einer Schwester zur Welt, die Mutter kränkelt und stirbt früh, ihr Vater ist ihr ein und alles. Sie umsorgen sich und lieben sich lebenslang. Ihre Schwester wird früh unglücklich aufgeheiratet. Alle ihre Brüder widmeten sich der Mission der frisch entdeckten neuen Welt Amerika – ihr als Frau ist dies verwehrt und um gesellschaftlichen einen Stand zu haben tritt sie in ein „Menschwerdungskloster“ ein. Es war einfach unsittlich als Frau allein zu leben, die „heilige Inquisitation“ wütetet über Spanien und religiöse Freidenker landeten wohl generell auf einem die vielen Scheiterhaufen.
Damals gab es für Frauen in Nordspanien nur 2 Möglichkeiten. Entweder man wurde verheiratet und war Gebär- und Stillma-schine für einen Mann den man nicht liebte und der viele andere parallel dazu liebte. Es war einfach Sitte, dass jeder betuchte Mann mit seinen Mägden und Mätressen schlief und auch untereinander war die Oberschicht recht gut miteinander zugange. Die andere Möglichkeit war der Eintritt in ein Kloster oder ein Beaterium, ein lockerer Zusammenschluss von gottsuchenden Frauen, die sich geistlichem Austausch und dem Gebet widmeten und sich um Arme und Bedürftige kümmerten.

Theresa dachte nie daran in ein Kloster einzutreten. Sie war lebensfroh, quirrlig, leidenschaftlich im Umgang mit Jungs, nie auf den Mund gefallen – einfach ein liebenswerte Person an der Seite eines gütigen Vaters. Mit 8 Jahren entwich sie aus dem Elternhaus mit dem Ziel Jerusalem. Sie wollte mit ihrem 2 Jahre älteren Bruder für Jesus sterben um ganz bei ihm zu sein. So hatte sie es aus einer Predigt verstanden, es fing sie aber ein Onkel schon an der Stadtbrücke ab und brachte sie wieder mit sack und Pack nach hause. Da ihnen dieses nun verwehrt war, bauten sie sich im elterlichen Garten Einsiedeleien um wenigstens so durch Fasten und Beten dem Herrn näher zu kommen. Der Hunger trieb sie in die Speisekammer – der liebevolle Vater lehrte sie einen praktischen Glauben.

Es war eine Zeit des Auf- und Umbruches generell:
1515 wurde Theresa geboren, 1492 erst war die Maurenherrschaft in Spanien gebrochen worden, Avila lag in Kastilien und war ein feste Bischofsstatt mit einer 2,5 km langer Mauer, 88 Wehrtürmen und 9 riesigen Stadttoren, die katholische Kirche war in der Einhaltung von Äußerlichkeiten gefangen und dominierte alles und jeden, jedem saß die Verbrennung von Hunderten Andersgläubigen im Nacken. Cortesz hatte Mexiko erobert und alle Welt bangte um die armen unerlösten Seelen der Indias. Theresas Vater war ein konvertierter Jude, alle anderen Juden waren schon verbrannt oder verbannt, Johannes vom Kreuz und Ignatius von Loyola riefen innerhalb der Kirche zu mehr Innerlichkeit, Luther schlug 1517 seine Thesen an und auch in den Augen von Theresa kamen alle diese abgefallenen Protestanten direkt in die Hölle, was damals Stand der Verständnisse war.

Theresa liebte Ritterromane, sie verschlang diese Bücher leidenschaftlich und sie kannte sich bestens in Burgen aus. Kein Wunder wählte sie dieses Bild für ihre Gebetszeiten die oft mehrere Tage andauerten. Sie erreichte dabei Höhen und Tiefen, die sie nicht mehr beschreiben konnte und doch drängte es sie wie alle anderen Mystiker auch alles doch unbedingt weitergeben zu müssen. Wortneuschaffungen, Bilder, Umschreibungen findet man in einer solchen Fülle auf einem beachtlich hohen, liebevollem Niveau. Sie wird darum als Schutzheilige aller Schriftsteller und später auch zur Schutzpatronin Spaniens ernannt.

Theresa erlebt Grenzüberschreitungen in jedem nur erdenkbarem Sinne, ihre „Su Majestat“ führt sie wie ein Bräutigam durch seeliche und himmlische Gemächer und uns verkopften Denker bleibt vieles unverstehbar. 


„Gott lebt, west und wirkt in der Seele. Dadurch wird die Seele ganz gottfarben, göttlich, gottförmig. Sie wird in der Vereinigung mit Gott so weit über sich hinaus in Gott geholt, könne sie sich selbst erblicken, sie hielte sich für Gott.“ Zitat :Johannes Tauler.

Trotz aller mystischen Höhenflüge beweist es Theresa mit ihrem Leben, dass alles wieder zurück zur Liebe zu den Menschen führt. Sie liebt unermüdlich jeden der ihr begegnet in der gleichen Art und Weise. Sie ist beliebt bei Hofe, Kirche und Adel, sie wird zu Königen und Herrscher gerufen und schreibt 15.000 (!) Briefe an sie, sie ist Ratgeberin vieler adeliger Frauen und umarmt und versorgt Bettler wie Könige – sie ist wie ein Magnet, der alle an sich zieht.

 

Geschickt wählt sie ihre Beichtväter, Seelenführer und Ordensaufseher und entkommt so der Inquisitation. Ihre Erstschriften verschwinden, alles ist von einflussreichen Kirchenmännern ihr Korrekturgelesen. Sie pflegt innigen Kontakt mit Kirchenmännern, kämpft aber nebenbei versessen für die Rechte der Frauen. Mehrmals werden ihre Bücher als gotteslästerlich auf den Index gesetzt, sie schafft es immer wieder der Inquisitation von der Schippe zu springen.

 Theresas Botschaft an uns heute:

Man hat uns die Seele insbesondere im Pietismus als einen ungeheueren gefährlichen Ort falscher Leidenschaften dargestellt, vor dem sich ein Christ unbedingt zu hüten hat und den man „abzutöten“ gedenkt. Dass dies nicht gelingt, ist offensichtlich – vielmehr drückt das verwahrloste Unterbewusste durch in sexuellen Irritationen. Lieblosigkeiten und Gefühlsarmut im Umgang mit Kindern und dem Ehepartner.

Die „Seelenburg“ ist ein Werkzeug im Gebet und mit Christus selbst die Wohnungen der eigenen Seele zu erforschen und fruchtbar zu machen für das Wirken Gottes. Theresa beschreibt 7 „Morades“ (Wohnungen, Lebensbereiche), sie weist aber darauf hin, dass bei Menschen außerhalb klösterlicher Mauern durchaus mehr Wohnungen vorkommen können. Darum habe ich im weiteren 9 Wohnungen beschrieben, damit ist Vaterschaft und Berufsleben mit eingeschlossen.

Die Kammern des Herzens im Einzelnen

In die Eingangshalle meiner Burg
komme ich nach einem anstrengenden tag in der Welt
- Handeln für das Volk, an sein Wohl denken
- Die Rechtssprechung und die Ordnung klären
- Aufgaben zum Wohl der anderen ausführen
- Beziehung suchen, nicht nur Förmlichkeiten
- Nähe zulassen, nicht nur sachlich sein
- Mit allen Fühlern die Welt abtasten
- Sich um Schwache kümmern

Mt 25,35: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

Zu dem Thronsaal Gottes in mir habe ich nach der Grunderfahrung von Theresa von Avila ständig Zugang. Es ist der Lobpreis eines erfüllten Herzens, die andauernde Beziehung zu „meinem himmlischen Papa“.
- Den königliche Umgang mit der Seele pflegen
- Ständige Kommunikation mit Gott praktizieren
- Gott in sich leben, wesen und wirken lassen
- Freundschaftliche Konversation mit Gott
- Anteil am Wesen und Leben Gottes bekommen
- Ihn ein Gegenüber sein und ihm Nähe schenken
- Die Seele einweichen in der Liebe Gottes

Das Kinderzimmer ist für den Vater ein Lebensraum der ständigen Zuwendung und bedarf seiner Aufmerksamkeit

- Das Familienleben lieben
- Den Kindern die Welt zeigen
- Ein Ohr für die Probleme haben
- Bei Hausaufgaben präsent sein
- Zusammen arbeiten im Garten
- Gebet und Unterweisung der Kinder

1.Tim 3,5: „Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen?“

Das Badezimmer für meine Seele muss beschritten werden, um für eine höhere Begegnung mit Christus vorbereitet zu sein

 - Die erlebte Gottverlassenheit beklagen
- Die Trockenheit ohne Gott mir eingestehen
- Die Verletzungen des Tages erörtern
- Die „blauen Flecken“ betrachten
- Die inneren Verwundungen pflegen
- Den „Schmutz des Tages“ ablegen

Hebr 12,14: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird.“

In den Kerker, das Gefängnis der Seele, muss ich ab und zu hinabsteigen, um nach meinen gefangenen zu sehen. Schauen, ob sie sich gebessert haben oder ob ich sie freilassen muss.
- Anschauen und Versorgen meiner Gefangenen Gegner
- Anklage, Verurteilung derer, die meine Existenz nicht wollen
- Die Inneren Kräfte des Begehrens und Zürnens wahrnehmen
- Ordnung in die ungeordneten Neigungen bringen
- Freilassen der ungerecht Gefangengenommenen
- Dem Sinnliches Verlangen der Erotik nachspüren
- Rebellen belehren und versuchen umzuerziehen

Jes 58,6 f: „Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten … .“

In der Schatzkammer des Herzens liegen alle verborgenen Schätze, die ich noch nicht ausgegraben oder noch nicht entdeckt habe verborgen.
- Die versteckten Gaben ans Tageslicht bringen
- Den Mut zum Handeln ausgraben
- Wuchern mit den Schätzen des Herzens
- Fähigkeiten im Umgang mit anderen entdecken
- Zuwendungslust und – bereitschaft besitzen
- Den Segen der Vorfahren weitertragen

2.Petr 1,10; „Darum, liebe Brüder, bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung fest-zumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr nicht straucheln.“

In die Küche zur Speisenzubereitung gehe ich, um mir auszudenken, was ich meine Nächsten Gutes tun kann. Meist ist dies für Theresa der Abschluss ihres Gebetes.

 - Ausdenken von Liebestaten für andere
- Das Heil eines Bekannten in den Blick nehmen
- Fürbitte für andere tun
- Neue Zuwendungslust entfachen lassen
- Fürsorge für andere planen, mal anrufen
- Entscheidungen treffen für gute Taten

Jak 2,14: „Was hilft's, liebe Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen?“

Die Bibliothek meiner Seele nutze ich, um meine Seele auf die höchste Stufe zu bringen – eine intime Begegnung mit Christus, meinem Bräutigam.

- Jesu Handeln an Menschen studieren
- Wahrheiten der Bibel zusammentragen
- Sich hineinversenken in die Gleichnisse Jesu
- Betrachten des Aussagen Jesu
- Die Zusagen des Evangeliums wiederholen
- Gottes früheres Handeln vergegenwärtigen
- Erlebnisse anderer mit Gott betrachten

Joh 8,32: „und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Das Schlafzimmer der Vermählung mit Christus wird Theresa manchmal geschenkt so intensiv, dass man das Hier und jetzt vergessen kann.
- Entkleiden der Seele durch Loslassen von allem
- Lossagen von fen Wünschen, „Entschälen der Seele“
- Die Führungslosigkeit der eigenen Seele beichten
- Nacktheit und Abhängigkeit von Gott spüren
- Visionen, Träume, Ekstasen geschenkt bekommen
- Die Juwelen der göttlichen Geheimnisse erkennen

 Röm 12,1: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiblichen Bedürfnisse hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“

Wir vom CMT-Böblingen nutzen dieses Gebet als Gruppengebet. Es ist eine wunderbare Führung durch eine einstündige Gebetszeit und viele entdecken etwas in ihrer Seele, das sie schon längst Christus ausgeliefert haben sollten.

Dabei beschreiten wir nicht immer alle Kammern sondern warten und führen uns gegenseitig durch den heiligen Geist, was für heute dran ist.

Es bedarf eines Gebetsleiters, der „abweichende“ Gebete, die zu den anderen Kammern gehören, ermahnt, sie zurechtbiegt und in Liebe auf die Einhaltung des Gebetsweges drängt.